Welche Rassen leiden am meisten unter Hitze?
Das erste Merkmal: die Schnauze
Ein Hund schwitzt nicht. Seine wenigen Schweißdrüsen sitzen an den Pfotenballen und leisten praktisch nichts. Seine gesamte Temperaturregelung läuft über das Hecheln: Er atmet schnell und flach, Feuchtigkeit verdunstet von Zunge und Atemwegen, und dabei wird dem Körper Wärme entzogen.
Bei einem brachyzephalen Hund, also einem mit verkürzter Schnauze, funktioniert genau dieser Weg schlecht. Die Atemwege sind gestaucht, die Nasenlöcher oft verengt, und für dieselbe Luftmenge muss er deutlich mehr Muskelarbeit leisten. Diese Arbeit erzeugt selbst Wärme. Er hechelt also mehr und erreicht damit weniger.
Die Französische Bulldogge ist die sechsthäufigste Hunderasse Deutschlands. Für sie ist eine kühle Liegefläche kein Komfortartikel: Sie ist der Hauptweg, der ihr bleibt, weil sie Wärme über die Bauchseite abgeben kann, wo das Fell dünn ist und die Haut Kontakt zum Boden hat.
Das zweite Merkmal: das Fell
Hier wird oft falsch gedacht. Nicht die Länge ist entscheidend, sondern die Dichte der Unterwolle. Ein Deutscher Schäferhund hat kein besonders langes Fell, aber eine sehr dichte Unterwolle, die wie eine Isolierschicht wirkt. Ein Windhund mit kurzem, dünnem Fell kommt mit Hitze deutlich besser zurecht als ein Berner Sennenhund.
Deshalb steht auch die Britisch Kurzhaar auf der Katzenliste weit oben, obwohl ihr Fell kurz ist: Ihre Unterwolle ist außergewöhnlich dicht. Sie stellt allein 20 % der Katzen in Deutschland.
Was hier hilft, ist Ausbürsten, nicht Scheren. Loses Unterfell rauszubürsten senkt die Isolierung, ohne den Schutz zu nehmen. Scheren dagegen entfernt bei doppelhaarigen Rassen auch die Schicht, die vor Wärme von außen und vor Sonnenbrand schützt.
Das dritte Merkmal: die Masse
Ein großer Körper produziert mehr Wärme und hat im Verhältnis dazu weniger Oberfläche, über die er sie loswerden kann. Deshalb tun sich Berner Sennenhund, Rottweiler und Neufundländer schwerer als ein Jack Russell.
Der Faktor, der in der Praxis am meisten wiegt und in keiner Rassetabelle steht, ist Übergewicht. Fettgewebe isoliert, und ein übergewichtiger Hund bewegt zusätzlich mehr Masse bei jedem Schritt. Ein zu schwerer Labrador ist im Sommer stärker belastet als ein schlanker Schäferhund.
Die zehn häufigsten Hunderassen Deutschlands, nach Risiko
Nach dem TASSO-Register 2025, das alle gechippten Hunde erfasst und damit die tatsächliche Population abbildet, nicht nur Rassehunde vom Züchter.
| Rasse | Platz | Risiko | Warum |
|---|---|---|---|
| Französische Bulldogge | 6 | sehr hoch | Kurze Schnauze, das Hecheln ist stark eingeschränkt |
| Mops | — | sehr hoch | Kurze Schnauze, oft zusätzlich übergewichtig |
| Deutscher Schäferhund | 4 | hoch | Dichte Unterwolle, die im Sommer isoliert |
| Golden Retriever | 3 | hoch | Langes, dichtes Fell |
| Australian Shepherd | 7 | hoch | Langes Fell, dazu hoher Bewegungsdrang |
| Berner Sennenhund | — | hoch | Langes Fell, große Körpermasse, dunkle Farbe |
| Labrador Retriever | 2 | mittel | Dichtes Deckhaar, neigt zu Übergewicht |
| Boxer | — | mittel bis hoch | Verkürzte Schnauze |
| Dackel | 8 | mittel | Langer Rücken, bodennah, wenig Luft unter dem Bauch |
| Chihuahua | 5 | gering | Kleine Masse, kurzes Fell, kühlt schnell ab |

Der häufigste Hund Deutschlands ist der Mischling. Für ihn gelten die drei Merkmale oben direkt, unabhängig vom Aussehen.
Und bei Katzen
Nach der Agila-Auswertung von Dezember 2025. Katzen kommen mit Wärme grundsätzlich besser zurecht als Hunde, ihre Vorfahren lebten in trockenen Regionen. Zwei Gruppen bilden die Ausnahme.
| Rasse | Anteil | Risiko | Warum |
|---|---|---|---|
| Perserkatze | 4 % | sehr hoch | Langes Fell und flache Nase zugleich |
| Maine Coon | 6 % | hoch | Halblanges dichtes Fell, größte Hauskatze |
| Britisch Kurzhaar | 20 % | mittel bis hoch | Sehr dichte Unterwolle trotz kurzem Fell |
| Norwegische Waldkatze | — | hoch | Dichtes Winterfell, auf Kälte gezüchtet |
| Europäisch Kurzhaar | 29 % | gering bis mittel | Kurzes Fell, gute Selbstregulierung |
Die Perserkatze vereint beide Risikofaktoren, langes Fell und flache Nase. Sie ist damit die am stärksten betroffene Hauskatze überhaupt, und sie stellt 4 % des deutschen Bestands. Wie Katzen Hitze anzeigen und was hilft, steht unter Katze zu heiß und Katze abkühlen.
Was das praktisch ändert
Bei einem Tier aus den oberen Zeilen verschiebt sich alles ein Stück nach vorn. Die Spaziergänge früher und kürzer. Die Aufmerksamkeit schon ab 25 Grad statt ab 30. Und die Liegefläche größer, weil ein Tier, das Wärme schlecht über die Atmung abgibt, umso mehr Kontaktfläche braucht.
Das ist der Grund, im Zweifel die nächstgrößere Größe zu nehmen: Nicht weil eine große Matte stärker kühlt, sondern weil ein Tier, das sich darauf verlagern kann, immer eine Stelle findet, die noch nicht erwärmt ist. Warum die Wirkung an einer Stelle nachlässt, steht unter Wie lange kühlt eine Kühlmatte.
Häufige Fragen
Warum vertragen kurznasige Hunde Hitze so schlecht?
Weil Hunde ihre Temperatur fast ausschließlich über das Hecheln regeln. Beim Hecheln verdunstet Feuchtigkeit von Zunge und Atemwegen und entzieht dem Körper Wärme. Ein brachyzephaler Hund wie die Französische Bulldogge hat verkürzte Atemwege und oft verengte Nasenlöcher: Er muss für dieselbe Luftmenge mehr Arbeit leisten, und diese Arbeit erzeugt selbst zusätzliche Wärme.
Sollte ich meinen langhaarigen Hund im Sommer scheren?
Bei doppelhaarigen Rassen wie Schäferhund, Husky oder Australian Shepherd in aller Regel nicht. Das Fell isoliert in beide Richtungen und schützt die Haut vor Sonnenbrand; geschoren wird es oft schlechter statt besser. Was wirklich hilft, ist gründliches Ausbürsten der losen Unterwolle. Bei stark verfilztem Fell gehört die Entscheidung in erfahrene Hände.
Sind schwarze Hunde stärker betroffen?
In der Sonne ja, dunkles Fell nimmt mehr Strahlungswärme auf. Im Schatten oder in der Wohnung spielt die Farbe dagegen kaum eine Rolle, dort entscheiden Felldichte, Schnauzenlänge und Körpermasse.
Mein Mischling ist keine dieser Rassen, was gilt für ihn?
Der Mischling ist der häufigste Hund Deutschlands, und für ihn gelten dieselben drei Merkmale: Wie lang ist die Schnauze, wie dicht ist das Fell, wie schwer ist er? Wer diese drei Punkte durchgeht, weiß mehr als jede Rassetabelle sagen kann.
Hilft eine Kühlmatte diesen Rassen mehr als anderen?
Sie ändert für sie mehr, weil ihnen weniger Alternativen bleiben. Ein Hund, der schlecht hechelt, ist stärker auf die Wärmeabgabe über die Körperunterseite angewiesen, und genau dafür ist eine kühle Liegefläche da. Eine Matte ersetzt aber weder Schatten noch Wasser noch die Tierarztpraxis bei Anzeichen eines Hitzschlags.
Quellen: TASSO-Register, Rassestatistik 2025 · Agila, Auswertung Katzenrassen Dezember 2025. Dieser Text ersetzt keine tierärztliche Beratung.
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